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Atopische Dermatitis

Ihr Tierarzt hat bei Ihrem Hund oder Ihrer Katze eine gründliche dermatologische Untersuchung durchgeführt und dabei möglicherweise eine atopische Dermatitis (AD) als Ursache der Beschwerden in Betracht gezogen.
Die atopische Dermatitis (AD), auch Atopie genannt, ist die häufigste allergische Hauterkrankung bei Hunden.


Ursachen einer Atopie

Bei einer Atopie tritt eine Abwehrreaktion des Immunsystems gegenüber an sich harmlosen Substanzen aus der Umwelt auf. Hierzu gehören beispielsweise

  • Pflanzen- oder Blütenpollen
  • Unkraut
  • Staub
  • Milben

Oft ist diese Neigung auf eine genetische Veranlagung zurückzuführen.7,8,9 Atopie ist eine der häufigsten Ursachen von chronischem Juckreiz bei Hunden und einer der häufigsten Vorstellungsgründe in der dermatologischen Praxis. Je nach der Ursache der Allergie sind die Symptome anfänglich nur im Frühjahr (Bäume), Sommer (Gräser) oder ganzjährig ein Problem (Staubmilben). Oft wird die Erkrankung jedes Jahr schlimmer und die Problemdauer länger. Die meisten Hunde sind nach einigen Jahren ganzjährig betroffen. Allergien können durch gleichzeitigen Floh- oder Insektenbefall noch erheblich verschlimmert werden. Sogar wenn keine Flöhe oder Insekten (wie Ameisen oder Mücken) zu sehen sind, kann ein einzelner Biss oder Stich die Dermatitis verschlechtern.7,8,10

Hausstaubmilbe

Floh

Pollen


Was passiert bei einer Atopie?

Kommt ein Hund mit Atopie in Kontakt mit einem Allergen, antwortet das Immunsystem mit einer Abwehrreaktion darauf. Bei dieser Reaktion werden Entzündungsmediatoren wie Histamin in der Haut freigesetzt. Histamin ist ein Botenstoff, der in der Abwehrkette gegen Fremdstoffe eine entscheidende Rolle spielt und dazu führt, dass sich die Blutgefäße stark weiten.

Innerhalb von kürzester Zeit kommt es zur Bildung von Ödemen und Quaddeln – genau die Symptome, die bei einer klassischen Allergie auftreten. Betroffene Tiere leiden unter starkem Juckreiz und Rötungen, meist an ganz bestimmten Hautpartien am Körper wie

  • dem Kinn,
  • zwischen den Zehen, 
  • in den Achseln,
  • am Bauch,
  • in der Leistengegend.

Katzen verspüren den Juckreiz vor allem im Kopfbereich, an den Beinen und am Bauch. Da sich Katzen bei Juckreiz häufig übermäßig lecken, können im Fell kahle Stellen entstehen.

Häufig betroffene Körperstellen bei einer atopischen Dermatitis

Exogene Faktoren wirken auf die Haut ein. Dazu zählen zum Beispiel: Pollen, Milben, usw.

Symptome: gerötete Haut, schuppige Haut, Juckreiz, betroffene Region ist geschwollen und nässt


Wer ist betroffen?

Nach heutigem Wissensstand wird die Anlage, eine atopische Dermatitis zu entwickeln, vererbt. Dies heißt aber nicht, dass der Hund auch daran erkranken wird.
Erst wenn Umweltfaktoren dazukommen, die die Entwicklung der Erkrankung fördern, kommt es zur Erkrankung.7,8,9,10

  • Es gibt eine deutliche Altersprädisposition: Die allermeisten Tiere sind zwischen 1 und 3 Jahre alt, wenn sie erste Symptome entwickeln.
  • Der Beginn einer atopischen Dermatitis etwa im Welpenalter oder bei einem mittelalten oder älteren Hund ist sehr unwahrscheinlich!
  • Generell scheinen Terrierrassen (v. a. Yorkshire, Westhighland White, Cairn, Jack Russel), Dalmatiner, Boxer, DSH, Labrador, Golden Retriever, Englische Bulldogge, Englischer Setter und Shar-Pei zu den besonders prädestinierten Rassen zu gehören.
  • Für Katzen gibt es keine bekannten Rassenprädispositionen.

Die AD hat als erstes Zeichen Juckreiz ohne Hautveränderungen (bestenfalls mit Hautrötung). Der Juckreiz hat ein typisches Verteilungsmuster, er betrifft:

  • v. a. Gesicht (Augen, Kinn, Lefzen)
  • Ohren und Pfoten (Zwischenzehenbereich und Pfotenunterseite)
  • Achseln
  • Bauchbereich
  • Innenschenkelbereich
  • Beugestellen (Ellenbogenbeugen, Sprunggelenksbeugen).

Sehr schnell folgen dann Entzündungen mit Bakterien und/oder Hefepilzen mit ihren typischen Symptomen (Pusteln, Krusten, Haarverlust...) und vermehrter Schuppenbildung. Schließlich können chronische Hautveränderungen mit Haarlosigkeit, Verdickung und Schwarzfärbung der Haut, ranziger Geruch etc. folgen.
Auch chronische oder chronisch-wiederkehrende Ohrentzündungen oder Pfotenentzündungen werden häufig festgestellt.5,6,7,8,10

Zusammenhänge der Vorgänge auf der Haut bei einer atopischen Dermatitis:


Wie wird die Diagnose gestellt?

Der Tierarzt nimmt eine ausführliche Vorgeschichte auf, untersucht den Patienten und versucht andere Ursachen für den Juckreiz und die Hautprobleme (vor allem Ektoparasiten!) auszuschließen. Berücksichtigt werden auch Alter und Rasse des Patienten.

Zunächst wird geprüft, ob es sich möglicherweise um eine Futtermittelallergie handelt. Um einer Futtermittelallergie auf den Grund zu gehen, kann der Tierarzt Ihrem Hund oder Ihrer Katze über einen Zeitraum von minimal sechs Wochen eine sogenannte Eliminationsdiät verordnen. Manchmal kann nur durch gezieltes Suchen das richtige Futter gefunden werden.

Zeigt sich keine Verbesserung, egal welches Diätfutter verabreicht wurde, untersucht der Tierarzt im zweiten Schritt, ob Ihr Vierbeiner allergisch auf eine Substanz aus der Umgebung reagiert - und damit unter einer Atopie leidet. Um eine Atopie festzustellen, kann ein Bluttest Aufschluss geben. Im Blut wird nach Antikörpern gegen Pollen und Milben Ausschau gehalten. Leider zeigt sich hier nicht immer ein eindeutiger Befund, aber in der Regel kann dieser Test ein Anhaltspunkt sein, in welche Richtung es sich lohnt weiterzusuchen.
Positive Ergebnisse in den genannten Tests müssen mit den Symptomen des Patienten vereinbar sein.6,8,10


Wie kann der Tierarzt helfen?

Die erfolgreiche Behandlung der atopischen Dermatitis stellt eine besondere Herausforderung für den Tierhalter und den Tierarzt dar. Jeder Fall ist anders, Behandlungspläne müssen in der Regel individuell erstellt werden.
In der Mehrzahl der Fälle ist es erforderlich, verschiedene Behandlungen miteinander zu verbinden. Heute stehen mehrere Behandlungsstrategien zur Verfügung, davon sind einige neu. Anpassungen an den Verlauf der Erkrankung und eine enge, vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Tierhalter und Tierarzt sind weitere Grundvoraussetzungen für den Erfolg.

Das primäre Ziel bei der Behandlung der AD ist die Minderung des intensiven, meist chronischen Juckreizes, welcher die Hauptbeschwerde bei dieser Erkrankung darstellt. Die Atopie ist eine chronische Erkrankung, die zwar behandelbar, aber nicht heilbar ist. Bei der Behandlung von Atopie unterscheidet man die ursächliche und die symptomatische Therapie.7,10

Die ursächliche Therapie versucht die Allergenbelastung zu reduzieren und die Überempfindlichkeitsreaktion gegen Allergene zu verringern. Dies kann zum Beispiel durch eine Immuntherapie geschehen.
Ist die Immuntherapie erfolgreich, sollte sie lebenslang weitergeführt werden.

Die symptomatische Therapie bekämpft den Juckreiz und Sekundärinfektionen.
Zur symptomatischen Therapie trockener Haut und der defekten Barrierefunktion der Epidermis eignen sich ungesättigte Fettsäuren (oral verabreicht) sowie Feuchtigkeitsspender und pflegende Präparate zur örtlichen Anwendung.


Auch Sie können helfen!

Psychogene Faktoren wie Stress, Ängstlichkeit oder Langeweile tragen zur klinischen Erkrankung der AD bei. Verhaltenstherapie, viel Bewegung, Übungen, Agility Training, Spielzeug, ein neuer Spielgefährte oder andere Abwechslungen können hier hilfreich sein.

Die vollständige Vermeidung von Allergenen aus der Umgebung ist selten möglich. Zur Reduktion von Hausstaubmilben können praktische Maßnahmen wie:

  • Häufiges Lüften der Räume
  • Herabsetzen der Raumtemperatur
  • Ersetzen von Teppichböden durch nicht textile Bodenbeläge
  • Ersatz oder Bezug über Kissen oder Decke im Körbchen usw.

Unterstützung der Hautfunktion

Die Behandlung der Symptome richtet sich gegen Juckreiz und Sekundärinfektionen mit Bakterien oder/und Hefepilzen: Die Behandlung mikrobieller Infektionen erfolgt mit antimikrobiellen Wirkstoffen (Antibiotika, pilzwirksame Mittel).

Zusätzlich zur oralen Behandlung können Shampoos, Cremes o. ä., Puder (für Hautfalten und den Zwischenzehenraum) eingesetzt werden, um den antimikrobiellen Effekt zu verstärken und das Behandlungsziel rascher und nachhaltiger zu erreichen (z. B. mit Chlorhexidin-Shampoos oder Puder).

Zur Juckreizbekämpfung werden auch Janus-Kinase-Hemmer/Zytokinhemmer, Cortison, Cyclosporin, Antihistaminika und ergänzend essentielle Fettsäuren oder auch spezielle Shampoos eingesetzt. Diese Medikamente können auch längerfristig verwendet werden, allerdings sind teilweise Nebenwirkungen möglich.

Unterstützung durch Nahrungsergänzung

Redonyl® Ultra ist ein neues Diät-Ergänzungsfuttermittel für Hunde und Katzen mit qualitativ hochwertigen Nährstoffen, zur Unterstützung der Hautfunktion bei Dermatose und übermäßigem Haarausfall.

Neben essentiellen Fettsäuren und Biotin enthält es Palmitoylethanolamid (PEA). PEA-um (ultramicronisiert) beruhigt die Haut und unterstützt die Erhaltung der physiologischen Funktion der Mastzellen in der Haut und wirkt somit unterstützend bei der natürlichen Antwort des Körpers auf atopische Dermatitis. 1,2,3,4,6,11,12


Dazu passende Pflegeprodukte


Literaturverzeichnis

1. Abramo F et al. Increased levels of Palmitoylethanolamide and other lipid mediators and enhanced local mast cell proliferation in canine atopic derma- titis. BMC Vet Res. 2014;10(1):21. 

2. Biro T et al. The endocannabinoid system of the skin in health and disease: novel perspectives and therapeutic opportunities. Trends Pharmacol Sci. 2009; 30(8):411-20

3. Cerrato S et al. Effects of palmitoylethanolamide on immunologically induced histamine, PGD2 and TNF release from canine skin mast cells. Vet Immunol Immunopathol. 2010;133(1): 9-15.

4. Cerrato S et al. Effects of palmitoylethanolamide on the cutaneous allergic inflammatory response in Ascaris hypersensitive Beagle dogs. Vet J. 2012;191(3):377-382.

5. Metz M, Stander S. Pruritus: an overview of current concepts. Vet Dermatol. 2011;22(2):121-131.

6. Noli C, della Valle MF, Miolo A et al. Efficacy of ultra-micronized palmitoyle- thanolamide in canine atopic dermatitis: an open-label multi-centre study. Vet Dermatol. 2015; 26(6):432-e101.

7. Noli C, Scarampella F, Atopische Dermatitis. In: Praktische Dermatologie bei Hund und Katze. Schlütersche Verlagsanstalt, 2. Aufl. 2005, ISBN 3-87706- 713-1: 252–259.

8. Olivry T, DeBoer DJ, Favrot C, Jackson HA, Mueller RS, Nuttall T, Pre´laud P for the International Task Force on Canine Atopic Dermatitis, Treatment of canine atopic dermatitis: 2010 clinical practice guidelines from the Interna- tional Task Force on Canine Atopic Dermatitis, Vet Dermatol. 2010; 21:233– 248

9. Olivry T, DeBoer DJ, Favrot C, Jackson HA Mueller RS, Nuttall T, Prélaud P and for the International Committee on Allergic Diseases of Animals, Treat- ment of canine atopic dermatitis: 2015 updated guidelines from the Inter- national Committee on Allergic Diseases of Animals (ICADA), BMC Vet Res. 2015; 11:210

10. Peters S: Vorträge online. Universität Leipzig

11. Petrosino S et al. Protective role of palmitoylethanolamide in contact aller- gic dermatitis. Allergy. 2010;65(6):698-711.

12. Sugawara K et al. Endocannabinoids limit excessive mast cell maturation and activation in human skin. J Allergy Clin Immunol. 2012;129(3):726-738.e8.

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