ARTIKEL

Herz und Kreislauf

Ist es das Herz?

Das ist eine häufig gestellte Frage bei einem Tierarztbesuch. Antworten auf diese und andere Fragen zu diesem Thema finden Sie im weiteren Verlauf des Artikels.

Hier ist der Querschnitt eines gesunden Herzens zu sehen:

 

1) Linker Vorhof
2) Linke Kammer
3) Rechter Vorhof
4) Rechte Kammer
5) Aorta
6) Lungenarterie

A) Trikuspidalklappe
B) Pulmonalklappe
C) Aortenklappe
D) Mitralklappe

Abb.: Das gesunde Herz


Welche Herzerkrankungen gibt es?

Einige Herzerkrankungen des Hundes können angeboren sein. Zu diesen Krankheiten zählen die Einengung unterhalb der Hauptschlagader (Subaortenstenose), die Einengung der Lungenarterie (Pulmonalstenose), ein Loch in der Herzscheidewand (Ventrikelseptumdefekt) sowie eine nach Geburt offenbleibende Verbindung zwischen Hauptschlagader und der Lungenarterie (persistierender Ductus arteriosus botalli). Viele Herzerkrankungen des Hundes sind erworben. Hierzu zählen besonders Herzklappen- und Herzmuskelerkrankungen, Perikarderguss (eine Flüssigkeitsansammlung im Herzbeutel) sowie ein Tumor des Herzens. Wegen der besonderen Häufigkeit der Herzklappen- und Herzmuskelerkrankungen werden diese ausführlicher dargestellt:

Was ist eine Herzklappenerkrankung?

Im Herzen gibt es vier Herzklappen, die den Blutstrom jeweils in eine bestimmte Richtung lenken. Eine Klappe (Pulmonalklappe) lenkt das Blut in die Lungenarterie. Die Lungenarterie leitet das Blut in die Lunge, wo es mit Sauerstoff angereichert wird. Eine weitere Herzklappe (Aortenklappe) öffnet in die Hauptschlagader, von der das mit Sauerstoff angereicherte Blut im ganzen Körper verteilt wird. Zwei weitere Klappen (Atrio-Ventrikularklappen) verhindern, dass das Blut beim Pumpen der Herzkammern in den linken bzw. rechten Vorhof und die daran angeschlossenen Venen zurückfließt.

Die häufigste Klappenerkrankung ist die Endokardiose. Das ist eine sich über längere Zeit entwickelnde Erkrankung, bei der sich die Klappen schließlich verdicken und versteifen. Sie schließen dann nicht mehr dicht. Das Herz muss stärker und schneller pumpen, um genügend Blut in die richtige Richtung auszuwerfen. Meist betroffen ist die Atrio-Ventrikularklappe zwischen linkem Vorhof und linker Kammer, die Mitralklappe. Die Erkrankung heißt dementsprechend Mitralklappenendokardiose. Während des Pumpvorgangs strömt ein Teil des Blutes zurück in den linken Vorhof und staut sich zurück bis in die Lunge. Nachfolgend ist das erkrankte Herz zu sehen:

Abb.: defekte Herzklappe (Mitralklappe)

Was ist eine Herzmuskelerkrankung?

Die häufigste Herzmuskelerkrankung ist die mit Herzerweiterung einhergehende Herzmuskelschwäche (dilatative Kardiomyopathie = DCM). Es gibt zahlreiche Ursachen, die eine solche Herzmuskelschwäche verursachen können. Etwa eine Infektion mit Viren, Parasiten oder Bakterien, ein Nährstoffmangel etwa mit L-Carnitin oder Taurin, eine Vergiftung, eine unerwünschte Medikamentenwirkung, eine Minderdurchblutung oder Abbau des Herzmuskels, eine Immun- oder Stoffwechselerkrankung und schließlich hormonelle Erkrankungen wie die Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose). Wenn eine solche Grunderkrankung für die Herzschwäche die Ursache ist, nennt man das sekundäre Kardiomyopathie.

Findet sich keine Grunderkrankung und bleibt die Ursache ungeklärt, so spricht man von primärer oder idiopathischer Kardiomyopathie. Die Erkrankung führt zu einer Schwächung des Herzmuskels. Das Herz wirft weniger Blutvolumen aus. Die linke Herzkammer erweitert sich. Sie leert sich im weiteren Verlauf nur unzureichend, und es kommt zur Rückstauung des Blutes in den linken Vorhof und schließlich in die Lunge.

Normales Herz

Abb.: normales Herz im Vergleich zu einem erweiterten Herz

Durch DCM erweitertes Herz


Was deutet auf eine Herzerkrankung hin?

An den Herzklappen erkranken meist kleinere Hunderassen (etwa Dackel, Pudel, Terrier) in einem mittleren und höheren Lebensalter. Wenige Rassen (z. B. Cavalier King Charles Spaniel) zeigen Klappenveränderungen bereits in jungen Jahren. Bei den Klappenerkrankungen, speziell bei der Mitralklappeninsuffizienz, beginnen die Anzeichen meist langsam und nehmen über die Zeit zu. Zu nennen ist:

  • trockener Husten - anfangs meist nachts, frühmorgens beim Gassigehen oder bei Aufregung.

Mit zunehmendem Schweregrad verschlimmern sich die Symptome bzw. gesellen sich weitere hinzu.

  • Veränderte Atmung (erhöhte Frequenz, Atemnot)
  • Husten
  • Appetitlosigkeit
  • Bewegungsunlust
  • Tier ist auffallend ruhig
  • Ohnmachtsanfälle

Von der idiopathischen dilatativen Kardiomyopathie DCM) sind besonders große Hunderassen wie etwa Dobermann, Dogge, Boxer, Irischer Wolfshund, oft schon im mittleren Lebensabschnitt, betroffen. Durch den Rückstau des Blutes in Lunge und Abdomen kommt es bei fortschreitender Erkrankung zur Wasseransammlung in Lunge bzw. Brust- und/oder Bauchraum. Die gleichzeitig vorhandene Schwäche, das Blut in den Kreislauf zu pumpen, kann sich zeigen in:

  • Leistungsschwäche
  • Kollaps
  • Ohnmachtsanfällen
  • Rasche Gewichtsabnahme
  • schwacher und schneller Puls.

Die Erkrankung schreitet leider oft schnell voran.
 

Warnsignale für Herzerkrankungen:
Unter Umständen können Tiere, die an einer Klappen- oder Herzmuskelerkrankung leiden, für einige Zeit ohne deutliche Symptome leben. Schafft es aber das geschwächte Herz nicht mehr, genügend Blut in den Kreislauf zu pumpen, so spricht man von kongestiver Herzinsuffizienz. Die genannten Symptome werden immer deutlicher.


Wie wird die Diagnose gestellt?


Vorbericht:
Rasse, Alter, Geschlecht und Krankengeschichte können einen Anfangsverdacht für eine bestimmte Herzerkrankung geben. Schreiben Sie sich am besten zu Hause stichwortartig auf, was Ihnen bei Ihrem Hund auffällt:

Puls (fühlen):
Den arteriellen Puls fühlt man beim Hund am besten innen am Oberschenkel. Das ist ganz leicht. Sie können das selbst gut üben, wenn der Hund steht oder auf der Seite liegt.
→ Achtung: Ein leicht unregelmäßiger Rhythmus ist beim Hund in Ruhe völlig normal. Er wird im Rhythmus der Atmung schneller und langsamer.

Auskultation (hören):
Mit einem Phonendoskop hört die Tierärztin / der Tierarzt die Herztöne ab:
der 1. Herzton („Buh“) entsteht durch die Herzkontraktion und den Schluss der Atrio-ventrikularklappen, der kurz darauf folgende 2. Herzton („Dupp“) durch den Schluss der Aorten- und der Pulmonalklappe.
Dabei wird auch der Herzrhythmus beurteilt. Weiterhin achtet die/der Untersuchende auf Herzgeräusche, die auf Herzerkrankungen hinweisen können. Dafür wird sowohl die linke als auch die rechte Brustkorbseite abgehört.
→ Herzerkrankungen können also oftmals bei der regelmäßigen Gesundheitsuntersuchung erkannt werden!

Elektrokardiogramm (EKG):
Das EKG ist das ideale Instrument zur Erfassung des Herzrhythmus. Störungen im Bereich des Schrittmachers des Herzens (Reizbildung) sowie der Weiterleitung des elektrischen Impulses (Reizleitung) werden mit dem EKG erfasst.
→ Rhythmusstörungen können auf Herzerkrankungen hinweisen.

Röntgen:
Der Brustkorb wird meist von der Seite geröntgt. Oft wird dazu noch ein Bild in einer anderen Ebene, bei dem der Hund auf dem Rücken liegt, angefertigt.
→ Die Röntgenuntersuchung gibt etwa Hinweise auf die Größe des Herzens, auf Wasseransammlungen in der Lunge bzw. Ergüsse im Herzbeutel und vieles mehr.

Ultraschall:
Einige praktische Tierärztinnen und Tierärzte sowie alle Veterinärkardiologen bieten dieses Untersuchungsverfahren an. Mit der Sonografie, so der Fachausdruck, können die Strukturen des Herzens sowie die Größen und Größenverhältnisse am besten beurteilt werden. Mit Doppleruntersuchungen werden die Blutströme in verschiedenen Richtungen gemessen und akustisch dargestellt.
→ Das zeigt etwa, ob eine Herzklappe gut oder unzureichend schließt oder eine Verengung (Stenose) vorliegt.

Blutdruckmessung:
Da die Messung des Blutdruckes beim Tier viel umständlicher ist als beim Menschen, und sich das Erzielen genauer Ergebnisse oft als schwierig erweist, wird sie nicht routinemäßig in der Herzdiagnostik eingesetzt. Sie kann aber bei bestimmten Fragestellungen unterstützend eingesetzt werden.


Was kann ich selbst tun?

Abhängig von der Diagnose sowie dem individuellen Krankheitsgeschehen wird Ihre Tierärztin/Ihr Tierarzt eine zielgerichtete Betreuung Ihres Hundes empfehlen. Die nachfolgenden Empfehlungen sind daher allgemein und sollen den tierärztlichen Rat für Ihren Hund nicht ersetzen:

  • Schonung des Patienten je nach Art und Schweregrad der Herzerkrankung.
  • Spaziergänge erfolgen lieber kürzer und ruhiger, aber dafür häufiger.
  • füttern Sie eher kleine Portionen mehrmals täglich.
  • Das Futter sollte arm an Kochsalz sein.
  • Auf kochsalzreiche Leckerlis verzichten.
  • Übergewicht ist für den Kreislauf belastend und sollte vermieden werden.
  • Ständig verfügbares Trinkwasser verhindert die Aufnahme zu großer Trinkmengen auf einmal.
  • Besonders hohe und tiefe Umgebungstemperaturen meiden.
  • Nach Möglichkeit regelmäßige Kontrolle der Atemfrequenz und anderer Kriterien, s. Tagebuch hinten.

Informationen zu Medikamenten für die Herztherapie

Die im Folgenden kurz erläuterten Präparate werden in der Herztherapie von Tieren in Abhängigkeit des Schweregrades der Herzerkrankung oftmals auch gleichzeitig eingesetzt. Das Ziel ist dabei, die Wirksamkeit zu verbessern und die Dosierung der einzelnen Stoffe möglichst gering zu halten im Sinne einer optimalen Verträglichkeit.

Pimobendan
Der Arzneiwirkstoff Pimobendan eignet sich für die Behandlung der Herzinsuffizienz des Hundes, hervorgerufen durch

  • eine dilatative Kardiomyopathie
  • oder durch Klappeninsuffizienz.

Pimobendan hat eine zweifache Wirkung:

  • Steigerung der Kontraktionskraft des Herzens (positive Inotropie) und
  • Blutgefäße werden erweitert und die Druckbelastung vor und nach dem Herzen vermindert (vasodilatatorische Wirkung).

Tierarzneimittel mit dem Wirkstoff Pimobendan werden entsprechend der Gebrauchsinformation morgens und abends verabreicht. Die Gabe erfolgt oral mindestens eine Stunde vor der Fütterung, also auf nüchternen Magen.

ACE-Hemmer
Hemmstoffe des Angiotensin-Converting-Enzyme (ACE-Hemmer, z. B.: Enalapril) zur Behandlung der kongestiven Herzinsuffizienz.
Durch diese Hemmung wird einem hohen Blutdruck entgegengewirkt. Die Belastung des Herzens wird reduziert und die Pumpfunktion erleichtert. ACE-Hemmer werden meist lebenslang verabreicht, da die meisten Herzerkrankungen nicht vollständig heilbar sind, sondern mit der Zeit fortschreiten. ACE-Hemmer werden je nach Verordnung ein- oder zweimal täglich oral (in den Mund) mit oder ohne Futter verabreicht.

Spironolacton
Der Arzneiwirkstoff Spironolacton eignet sich zur Behandlung der kongestiven Herzinsuffizienz bei Hunden infolge einer Klappeninsuffizienz zusammen mit einer Standardtherapie.
Spironolacton hat folgende Wirkung:

  • Verminderung der Druckbelastung vor und nach dem Herzen.
  • Spironolacton verhindert die negativen Auswirkungen von Aldosteron (ein körpereigenes Steroidhormon) auf den Kreislauf.

Tierarzneimittel mit dem Wirkstoff Spironolacton werden einmal täglich verabreicht. Die Gabe sollte zusammen mit Futter erfolgen.

Diuretika
Arzneimittel dieser Gruppe werden eingesetzt, um Flüssigkeitsansammlungen im Körper zu vermindern. Das am häufigsten eingesetzte Diuretikum ist Furosemid.

Weitere Medikamente
Es gibt weitere Wirkstoffe, die bei Rhythmusstörungen oder zur Senkung des Blutdruckes eingesetzt werden.

Supplemente
Die Gabe von Taurin oder L-Carnitin kann nach der Diagnose von bestimmten Herzmuskelerkrankungen, welche durch Mangelzustände ausgelöst wurden, zusätzlich empfohlen werden.


Häufig gestellte Fragen und ihre Antworten:

Je nach Art und Schwere der Herzerkrankung wird die Tierärztin/der Tierarzt verschiedene Arzneimittel in den Behandlungsplan für Ihren Hund einbinden. Diese tierärztlich verordneten Arzneimittel unterstützen sich gegenseitig, um das gewünschte Behandlungsergebnis für Ihren Hund zu erreichen.

Lassen Sie sich nicht durch die vielen Tabletten beunruhigen. Gerade bei Herzerkrankungen kann eine sinnvolle Kombinationstherapie effektiver und schonender sein als eine hoch dosierte Therapie mit einem einzigen Medikament.

  • Die Stärkung der Kontraktionsfähigkeit des Herzens
  • Das Senken des Gefäßwiderstandes
  • Die Förderung der Durchblutung
  • Die Minimierung krankhafter Umbauprozesse am Herzen
  • Die Auflösung von Wasseransammlungen im Körper mit entwässernden Tierarzneimitteln (Diuretika)

Nein, das sollten Sie ohne Rücksprache mit der behandelnden Tierärztin/dem behandelnden Tierarzt nicht tun.

Bei den allermeisten Herzschwächen ist eine lebenslange Therapie erforderlich.
Leider erfolgt bei diesen Erkrankungen durch die Therapie keine Heilung. Ziel ist die Verminderung der Symptome und eine gute Lebensqualität. Die begonnene bzw. erfolgreiche Therapie sollte nicht ohne tierärztliche Anweisung beendet oder geändert werden. Sie gefährden dadurch die Gesundheit Ihres Tieres.

Die Therapie völlig normal weiterführen. Die vergessene Dosis muss nicht ersetzt werden.


Überwachung der Herztherapie

Um ein Fortschreiten der Erkrankung wie z. B. den Rückstau von Flüssigkeit in Lunge oder Bauchraum rechtzeitig zu erkennen, ist es wichtig, Ihr Tier regelmäßig gut zu beobachten. Wichtige Anhaltspunkte sind hierbei:

  • Art und Frequenz der Atmung
  • Wohlbefinden
  • Leistungsfähigkeit
  • Verschlechterung von Symptomen

Das folgende Tagebuch hilft Ihnen und Ihrer Tierärztin/Ihrem Tierarzt, die momentane Verfassung Ihres Tieres besser einzuschätzen.
Die Atmung Ihres Tieres messen Sie folgendermaßen:

  1. Halten Sie eine Uhr mit Sekundenzeiger bereit.
  2. Überprüfen Sie die Atmung stets zur selben Tageszeit in ruhiger Umgebung – bei Aufregung kann die Atemfrequenz erheblich höher sein!
  3. Am besten schläft Ihr Tier oder es liegt ruhig auf der Seite.
  4. Pro Atemzug hebt und senkt sich der Brustkorb je einmal.
  5. Zählen Sie für 60 Sekunden wie oft sich der Brustkorb hebt.
  6. Tragen Sie dieses Ergebnis täglich in die folgende Tabelle ein.
     

Service für Tierhalter

Ist es das Herz? Mein Hund in der Tierarztpraxis

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Atemtagebuch Patienten

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