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Ohne Impfungen geht nichts!
Impfungen zur Vorbeuge von Infektionskrankheiten

Schutzimpfungen sind eine wichtige Säule der gesundheitlichen Fürsorge und damit auch des Tierschutzes.


Wie funktioniert ein Impfschutz?

Krankheitserreger haben eine spezielle Form und chemische Zusammensetzung, die unter anderem auf Eiweißbausteinen beruht. Bei einer Infektion erkennt der Körper, dass ein Fremdstoff eingedrungen ist und bildet mit Hilfe seines Immunsystems spezifische Abwehrkörper (Antikörper). Diese Antikörper sind nun in der Lage, den Erreger unschädlich zu machen. Das Immunsystem lernt beim Kontakt mit einem Krankheitserreger (z. B. Virus) diesen zu erkennen und entsprechende Antikörper auf den Weg zu schicken. Im Gedächtnis des Immunsystems bleibt dieses Wissen längere Zeit gespeichert, eine spezielle Immunität gegen einen Krankheitserreger ist damit aufgebaut. Dieses Abwehrsystem macht man sich bei der Schutzimpfung zu Nutzen. Ein Impfstoff, der abgeschwächte oder tote Krankheitserreger oder auch nur Teile von diesen enthält, wird dem Tier injiziert. Das Immunsystem wird aktiviert und bildet Antikörper gegen diesen speziellen Erreger, sodass die Entwicklung der Krankheit abgeschwächt bzw. ganz verhindert wird. Um das Gedächtnis des Immunsystems zu festigen, muss zunächst eine Grundimmunität (meist mehrere Impfungen) aufgebaut werden. Durch anschließende regelmäßige Auffrischungsimpfungen in je nach Krankheit unterschiedlichen Abständen wird ein andauernder Schutz gesichert.


Warum Impfungen?

  • Nichts schützt ein Pferd vor spezifischen Infektionskrankheiten besser als eine effektive Impfung. Impfungen sind hier die einfachste und manchmal auch die einzige vorbeugende Möglichkeit.
  • Je mehr Kontakte zu fremden Pferden bestehen (Teilnahme an Pferdeleistungsschauen oder ähnlichen Veranstaltungen, Stallwechsel), desto größer ist im Allgemeinen die Gefahr des Austauschs verschiedener Krankheitserreger und damit einer Ansteckung. Hier ist ein guter Impfschutz besonders wichtig.
  • Transporte und auch die Veranstaltungen selbst belasten die Pferde und verursachen Stress, der die Abwehrfähigkeit beeinträchtigt und Infektionen Vorschub leistet.
  • Auch wenn nach Impfungen gegen Pferdegrippe und Herpes Erkrankungen nicht völlig auszuschließen sind, lohnen sich diese: die Erkrankungen zeigen bei geimpften Tieren einen milderen Verlauf.
  • Ungeimpfte Pferde können leicht zu potentiellen Trägern von infektiösen Keimen und damit auch zu einer latenten Gefahr für geimpfte Pferde werden.

Wichtige Impfungen für Pferde

Impfungen sind, wie auch andere Prophylaxemaßnahmen, allemal preiswerter als eine Behandlung im Krankheitsfall. Impfstoffe höchster Qualität sind von mehreren Anbietern auf dem Markt. Im Interesse Ihres Pferdes wenden Sie sich vertrauensvoll an Ihren Haustierarzt.

Die Pferdegrippe (Pferdeinfluenza, Hoppegartener Husten) ist eine hochansteckende Virusinfektion der Atmungsorgane. Sie tritt auch jetzt noch bei uns vereinzelt als Erkrankung auf, betroffen sind meist ungeimpfte Pferde. Außerdem gelingt immer wieder der Nachweis des Virus in Beständen, ohne dass die Pferde sichtbar erkranken. Die insgesamt für Deutschland günstige Situation ist mit großer Wahrscheinlichkeit auf die hohe Impfdichte zurückzuführen, zu der auch die FN mit der Festlegung beitrug, dass alle Turnierpferde im 6-monatigen Abstand zu impfen sind. Da das Gefährdungspotential aber nach wie vor groß ist, sollten auch alle übrigen Pferde in dieses Impfregime einbezogen werden.

Infektionen mit den Equinen Herpes Viren Typ 1 und 4 (EHV-1 bzw. EHV-4 führen meist zu Erkrankungen der Atemwegsschleimhaut und verursachen "erkältungsähnliche" Symptome, die häufig eher mild verlaufen (besonders beim EHV-4). Allerdings ist EHV-1 für den Virusabort verantwortlich und kann verheerende finanzielle Verluste in Gestüte verursachen, führt aber auch zu akuten Erkrankungen der Atemwege. Zudem kann das EHV-1 schwere neurologische Erkrankungen mit Lähmungen verursachen, die auch zum Verlust des Pferdes - häufig auch mehreren Pferden im gleichem Stall - führen kann. Gesichert ist zudem die Beteiligung der Herpesviren im Komplex des chronischen Hustens. Allein aus dem Genannten ist eine gezielte Impfprophylaxe für alle Pferde eines Bestandes angezeigt.

Pferde sind die für Wundstarrkrampf (Tetanus) anfälligste Tierart. Jede Verletzung stellt eine potentielle Gefahr dar. Angesichts der Tatsache, dass bis zu 90 % der Erkrankungsfälle tödlich verlaufen, ist es nahezu fahrlässig, die Impfung zu unterlassen, noch dazu, wo gerade diese Impfung einen sehr guten Schutz bewirkt.

Die Tollwutimpfung ist nur bei Weidepferden in gefährdeten Gebieten zu empfehlen, da Deutschland als tollwutfreies Land gilt. Die Erkrankung verläuft tödlich. Zu bedenken ist, dass durch die Impfung der Übertragungsweg auf andere Pferde und auch den Menschen unterbrochen wird und dass schon eine Impfung jährlich ausreichenden Schutz bietet. Pferde müssen bei Ansteckungsverdacht getötet werden, falls sie keinen gültigen Impfschutz haben (Impfung vor mindestens 30 Tagen bis höchstens 12 Monaten).

Außerdem stehen Impfstoffe gegen Druse und Hautpilzerkrankungen zur Verfügung. Immunisiert werden kann gegen Druse ab einem Alter von 4 Monaten. Zur Grundimmunisierung erfolgen zwei Impfungen im Abstand von 4 Wochen. Wiederholungsimpfungen werden bei hohem Risiko alle 3 und bei geringerem alle 6 Monate vorgenommen. Gegen Hautpilzerkrankungen des Pferdes kann ebenfalls ab einem Alter von 4 Monaten immunisiert werden. Zur Grundimmunisierung sind zwei Impfungen im Abstand von 14 Tagen vorgesehen. Zur Aufrechterhaltung der Immunität ist eine jährliche Wiederholungsimpfungen nötig.

So können Fohlen bei vorangegangener korrekter Schutzimpfung der Stuten immunisiert werden (Grundimmunisierung und Wiederholungsimpfungen)

Es ist wichtig, dass die tragende Stute ausreichend geimpft ist. Das schließt (bei vollständiger Grundimmunisierung) Impfungen gegen Herpesvirusinfektionen (Stutenabort) mit ein. Das Fohlen  erhält dann über die Kolostralmilch Antikörper, die z. B. bei Tetanus bis zum Alter von 6 Monaten schützen können. Der Darm des Fohlens ist allerdings nur in den ersten 12 Stunden nach der Geburt für diese aus Eiweiß bestehenden Antikörper passierbar. Deshalb funktioniert der Schutzmechanismus der "Impfung" mit der Muttermilch nur, wenn die Fohlen gleich nach der Geburt ausreichend Kolostralmilch  aufnehmen.

So können trächtige Stuten geimpft werden:


Allgemeine Impfregeln

  • Die Impffähigkeit jedes Pferdes ist Voraussetzung für einen optimalen Impfschutz. Es dürfen daher nur Pferde geimpft werden, die klinisch gesund (kein Fieber, kein akuter Husten, kein Nasenausfluss.) und nicht geschwächt sind.
  • Alle Pferde eines Bestandes sind unter Dauerimpfschutz zu halten. Das ist besonders wichtig bei Pferdegrippe und Herpesvirusinfektion.
  • Verschiedene Impfstoffe können zeitgleich, aber ortsgetrennt, bei einem Pferd eingesetzt werden.
  • Pferde sind nach Impfungen 3 Tage lang zu schonen. Stress und Belastung hemmen die Antikörperbildung und können damit den Erfolg der Impfung beeinträchtigen.

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